Wolfenbüttel, meine Musenstadt


Unseren Gründern hat es seinerzeit in Wolfenbüttel gut gefallen. Wen wundert es, daß sie bei allem Studienstreß zu diesem schwärmerischem Text kamen. Das Lied wird nach der Melodie des Frankenliedes »Wohlauf, die Luft geht frisch und rein« gesungen.

Von Saatenfeldern rings umsäumt, von Bergen halb umschlossen,
liegt vor dem Harze eingesäumt, von einem Fluß durchflossen,
Wolfenbüttel, meine Musenstadt, die herrlich wunderschöne.
In dieser sonn´gen Okerstadt mein helles Lied ertöne.

In tatenfrohem Wissensdrang kam ich zu ihr gefahren
und ahnungsvoll im Herzen klang dem kommenden Scholaren
ein Lied von hoher Lebenslust, ein Lied voll Lust und Wonne
und wie ein Stern in meiner Brust drang deine Himmelssonne.

Vergessen war die strenge Hut der väterlichen Zügel.
Es wallte auf mein heißes Blut, es wuchsen mir die Flügel.
Die Sonne, die mich angelacht, der stürmte ich entgegen
und tief im Herzen war erwacht ein wundersames Regen.

Da lachten uns blaue Äugelein und holde Mädchenlippen.
Da durfte ich im Mondenschein von Purpurlippen nippen.
Da schwoll mein Herz so sehnsuchtsvoll, es blühten mir die Rosen
und in dem Tal ein Lied erscholl vom Küssen und vom Kosen.

Vergessen hatt´ich das Kolleg, das konnt´ mir nicht gefallen
zog lieber in den Wald hinweg mit seinen grünen Hallen,
ward ich der Freiheit mir bewußt in ungebund´ner Jugend,
rann es mir siedend durch die Brust von Ehre, Mut und Tugend.

Wolfenbüttel, meine Musenstadt, wie könnt´ ich dich vergessen,
der Berge hoch der gold´nen Saat, der Wälder unermessen.
Und wenn dereinst ich scheiden muß, hinweg mein Schritt sich lenke,
an seiner Jugend heißen Kuß werd' ewig ich gedenken.

Überliefert von Oskar Gagel al. Zeus Z! EAHP (1928)