Die »Bremen« in Bremen

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Mitglieder der "Burschenschaft Germania", die 1928 in Wolfenbüttel anläßlich der Landung der Ozeanflieger gegründet worden war, reisten gestern mit ihren Angehörigen nach Bremen, um das Flugzeug zu bestaunen.

Der Stoff, aus dem
auch Cola-Dosen sind

(Weser Kurier, Sonntag, den 21. Juni 1998 / Text: Jürgen Neidhardt, Fotos: Jochen Stoss)

B r e m e n. Sogar die Stadtführungen begannen gestern und vorgestern anders als üblich: Allem voran wurde Touristen zuerst die Junkers W 33 "Bremen" auf dem Marktplatz gezeigt, mit der vor 70 Jahren Hünefeld, Fitzmaurice und Köhl den Atlantik von Ost nach West überflogen hatten.
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Viele Menschen sind gestern zur Besichtigung des Flugzeugs nach Bremen gekommen. So auch die Mitglieder der "Burschenschaft Germania" aus Wolfenbüttel, die eine besondere Verbindung zur "Bremen" haben.
Die Burschenschaft wurde am 14. April 1928 anläßlich der Nachricht vom geglückten Ozeanflug als technisch-wissenschaftliche Vereinigung gegründet", erzählt Mitglied Hans Verstegen. Ralf Hoyer (29) ist einer der jüngsten. Er studiert Verkehrstechnik im achten Semester. Für die "Bremen" hat er sich schon seit seiner Stationierung als Wehrpflichtiger in Wunstorf interessiert. "Viele unserer Bundesbrüder haben bei Junkers gearbeitet", versichert Verstegen.
Am Flugzeug selbst scheuen auch die Mitglieder des Vereins "Wir holen die Bremen ach Bremen" gestern keine Mühe, die vielen Fragen zu antworten. "Wieviel Treibstoff haben die mitgenommen?" wollte jemand wissen. Über 2000 Kilogramm, die Maschine selbst wiegt nur 1350 Kilogramm." - Niclas Neff, fünf Jahre alt, wollte wissen: "Woraus besteht das Flugzeug?" -"Das ist Aluminium, das ist ganz leicht, aber weißt du überhaupt, was Aluminium ist?" Der Kleine mußte die Frage von Volker Schmidt verneinen. "Das ist der Stoff, aus dem auch die Cola-Dosen sind ", fügte Schmidt hinzu. Uhren und Bilderrahmen aus dem typisch-welligen Junkers-Aluminium gab es am Souvenirstand der Lufthansa. Ein Nachdruck der alten Fpeer-Illustrierten mit dem Bericht von der Landung der Ozeanflieger war von den zehn Pfennigen am Erscheinungstag auf zwei Mark am Freitag und schließlich 2,50 Mark am Sonnabend gestiegen. Das war Dessaus Beitrag zur Inflation. Für fünf Mark gab es Weißwürste und Salzbrezeln als Beitrag von Köhls Heimatstadt Neu-Ulm. Ein Becks-Bier, ein Guinness dazu - und das Ozeanflieger-Menü war perfekt.
Noch bis zum 27. Juni, jeweils von 10 bis 19 Uhr, ist im Rathaus die Ausstellung "Bremen makes them fly" zu sehen, in der Informationen um die "Bremen" ebenso gezeigt werden wie neuere Flugzeug- und Raumfahrtprodukte aus der Hansestadt. Ein besonderes Ausstellungsstück: Die Armbanduhr Hünefelds - das Original und der Nachbau. Beim Bankhaus Neelmeyer, dem maßgeblichen Sponsor des Vereins "Wir holen die Bremen nach Bremen", gibt es zudem die Broschüre "Die Bremen - Die Geschichte eines Flugzeuges" gegen eine Schutzgebühr von zehn Mark.
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